Schüler pflanzen Bäume in Altenberg - für den Regenwald Madagaskars!


Zugegeben, die Überschrift klingt absurd, und trotzdem ist da etwas dran.
Seit langem engagiert sich ein kleiner Grüne-Liga-Regenwaldverein namens "Ranoala" (madagassisch: "Regen-Wald") für Aufforstungsprojekte im Osten Madagaskars. Noch vor wenigen Jahrzehnten erstreckte sich dort ein zusammenhängender Tropenwaldgürtel mit einzigartiger Tier- und Pflanzenwelt. Doch der allergrößte Teil davon ist inzwischen abgeholzt, viele Arten von Lemuren - die nur auf Madagaskar vorkommenden "Halbaffen" - sind sehr selten geworden oder ausgestorben. Wiederaufforstung ist dringend notwendig, auch um den erosionsanfälligen Boden an den Berghängen festzuhalten.

Die meisten Menschen Madagaskars sind arm - und sie sind jung. In den Dörfern leben viele Kinder und Jugendliche, deren Zukunft in besonderem Maße von einer intakten Natur mit fruchtbaren Böden und ausreichend Wald abhängt, der sie nicht nur mit Bau- und Brennholz versorgt. Deshalb bemüht sich Ranoala auch ganz besonders darum, die jungen Bewohner in die Aufforstungsanstrengungen mit einzubeziehen.

Bäume pflanzen ist jedoch harte Arbeit, da kann etwas moralische Unterstützung vom anderen Ende der Welt sehr hilfreich sein. Zum Beispiel durch Schüler vom Gymnasium Altenberg.

Malen für Lemuren
Im letzten Jahr organisierte der Grüne-Liga-Regenwaldverein deshalb einen etwas außergewöhnlichen Zeichenwettbewerb. Die Altenberger sechsten Klassen malten Bilder zum Thema "Unser Wald und seine Tiere", die daraufhin nach Madagaskar in dem Ort Anjahambe (ca. 130 km nordwestlich der Hafenstadt Toamasina/Tamatave) in der Oberschule ausgestellt wurden. Auch dort brachten Schüler der sechsten Klassen ihre Gedanken zu diesem Thema mit Buntstiften zu Papier und übermittelten sie nach Altenberg. Das Votum für die jeweils gelungensten Kunstwerke oblag den Kindern im jeweils anderen Land. Trotz aller logistischen Hindernisse, die auf den 8000 Kilometern zwischen Anjahambe und Altenberg überwunden werden mussten, wurde daraus eine durchweg gelungene Aktion.

Am Gymnasium Altenberg fand im letzten Frühjahr zum Abschluss eine kleine Madagaskar-Party mit Live-Musik statt. Die jungen Künstler von Anjahambe indes bekamen einen - aus Spendengeldern finanzierten - Ausflug in einen Naturpark nahe Tamatave geschenkt. Für die meisten von ihnen war das die erste größere Reise über die Dorfgrenzen hinaus - und die erste Gelegenheit, einmal einen "richtigen" Regenwald zu erleben, wie er noch vor wenigen Jahrzehnten auch hinter ihren eigenen Wohnhütten wuchs.

Nicht nur das Interesse für den Wald und seine Tiere war geweckt, sondern auch für die Alterskollegen auf der jeweils anderen Erdhalbkugel. Wer mögen wohl die Zeichentalente hinter den Bildern von Lemuren und Eichhörnchen sein, wie leben sie, wie sieht ihr Alltag zu Hause und in der Schule aus?

Im Januar 2012 bekamen die Altenberger Schülerinnen und Schüler, nunmehr siebente Klasse, Besuch von Kathrin Damm. Die junge Leipzigerin hatte über ein Jahr im Projektgebiet des Ranoala-Vereins gelebt, gearbeitet und unter anderem dort auch den Zeichenwettbewerb mitorganisiert. An dem Januar-Vormittag nun sammelten die Gymnasiasten Ideen, wie die Kontakte nach Anjahambe weiterentwickelt werden könnten.

Seither ist ein Film- und Fotoprojekt in Arbeit. Mit Unterstützung durch Schulleiterin Benita Junghans und weiterer Lehrerinnen haben sich 14 besonders Interessierte zu einer Art "Madagaskar-Arbeitsgemeinschaft" zusammengefunden. Mit Digitalkameras halten sie Eindrücke aus ihrem täglichen Leben fest, dokumentieren Altenberg und dessen Umgebung. Insbesondere Winterlandschaft mit Schnee und all die damit verbundenen (sportlichen) Möglichkeiten sind für junge Madagassen mindestens so fremd und faszinierend wie für ihre deutschen Alterskollegen ein warmer tropischer Regenschauer. Mit großem Eifer haben sich mehrere Arbeitsgruppen der Madagaskar-AG seit den Winterferien auf Fotopirsch begeben. Im Juni wird dann die bis dahin entstehende Film- und Fotodokumentation auf Reisen gehen und an der Schule von Anjahambe gezeigt werden.

Daraufhin ist dort eine ähnliche Aktion mit den Teilnehmern des vorjährigen Zeichenwettbewerbs geplant. Unter deutscher Betreuung werden sie ihrerseits ihr Leben, ihren Alltag, ihre Heimat auf Speicherchips und DVD festhalten. Im Herbst können sich die Altenberger Schüler das dann anschauen und sicher eine etwas genauere Vorstellung davon bekommen, was beispielsweise Arbeit auf dem Reisfeld oder Hausaufgaben bei Kerzenlicht bedeuten. Oder Badefreuden unter einem Wasserfall nach einem warmen tropischen Regenschauer.

Bäume pflanzen und Horizonte erweitern
Organisiert und betreut wird das alles wieder vom Ranoala-Verein. Den Regenwaldschützern geht es dabei jedoch nicht nur darum, Kontakte zwischen den Jugendlichen zu vermitteln.

Unterstützt werden soll nach wie vor das Engagement für Wald und Natur. Deshalb fand am Freitag, den 13. April, am Kahleberg ein Schüler-Baumpflanzeinsatz statt, unterstützt vom Forstbezirk Bärenfels. Zehn Schülerinnen und Schüler, zwei Lehrerinnen sowie mehrere Mitglieder der Grünen Liga hackten mehrere Stunden Löcher in den steinigen Boden und pflanzten insgesamt 700 kleine Fichten auf einer ehemaligen Rauchschadfläche. Schwere Arbeit, der sich die jungen Helfer mit bewundernswertem Elan widmeten. Försterin Kristina Dunger und Waldarbeiter Matthias Reichel von Sachsenforst waren voll des Lobes.

Auch dieser Pflanzeinsatz wurde natürlich für die madagassischen Kinder und Jugendlichen gefilmt. Das Wissen, dass sich auch Schüler im reichen Deutschland für den Wald engagieren, wirkt bestimmt als moralische Aufmunterung, selbst beim nächsten Aufforstungseinsatz mit anzupacken, der im Juli bei Anjahambe stattfinden soll. Ob dies tatsächlich gelingt, werden die Altenberger Schüler im Herbst erfahren, wenn sie die entsprechenden Bilder aus Madagaskar zu sehen bekommen.

In den nächsten Wochen allerdings sind sie vollauf damit beschäftigt, ihre eigene Film- und Fotodokumentation fertig zu bekommen. Am 1. Juni wird diese mit Ranoala-Mitgliedern gen Süden reisen. Am Ziel warten schon viele sehr gespannt auf das Ergebnis.

Zumindest symbolisch wachsen jetzt am Schlängelweg zum Kahleberg 700 Bäume für den tropischen Regenwald. Und sie zeugen vom großen Engagement einiger Jugendlicher am Altenberger Gymnasium.

Auf dieser Internetseite könnte ihr euch weiter informieren www.osterzgebirge.org.

Jens Weber

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